[>>]

Samstag, 21. November 2009

Großer Zorn

Joseph Victor von Scheffel

Mein Zorn ist groß und fürchterlich,
Ja, fürchterlich und groß,
Denn dieser dumme Erdplanet
Blamiert sich grenzenlos.

Ich wollt', ich wär' ein Haifisch
Im tiefen, tiefen Meer!
Dann fräß' ich alles, was da schwimmt,
Vergnüglich ringsumehr.

Oder ein Aasgeier möcht' ich sein
Mit scharfer, scharfer Krall':
ich fräß das ganze Vogelgeschlecht,
Kolibri wie Nachtigall.

Ich wollt', ich wär' eine Klapperschlang'
In der dummen freien Natur:
Vergiftet wär' in kurzer Zeit
Die ganze Kreatur!

Ich wollt, ich lief mit Wutgebrüll
Herum als Mordhyäne,
ich nähm' die ganze Menschheit wild
Als Frühstück zwischen die Zähne.

Am End' fräß ich mit kaltem Blut
Mich selber noch dazu,
Denn eher kommt meine große Wut
Doch nimmermehr zur Ruh.

Quelle: http://gedichte.xbib.de

Donnerstag, 12. November 2009

An die oberen Zehntausend

Oskar Jerschke

O kehrtet einmal ihr aus den Palästen
Im dunstigen Dunkel enger Gassen ein!
O kehrtet einmal ihr von euren Festen
Ins vierte Stockwerk, wo beim Öllichtschein
Blutarme Näherinnen um den Bissen
Des lieben Brots zehn Stunden nähen müssen!

Kröcht' einmal ihr mit eurem Schmuck behangen
Zur Kellerwohnung, wo der Schuster flickt,
Sein armes Weib mit hungerbleichen Wangen
Den Säugling an die welken Brüste drückt,
Von einer Mark oft sieben Menschen leben,
Die doch dem Kaiser noch den Groschen geben!

Es würd' euch grausen, und in eure Stirnen
Käm' Flammen gleich das Krösusblut gerollt,
Und durch den Puder eurer feilen Dirnen
Bräch' sich die Schamglut um das Sündengold,
Und wie, wenn Eise sich mit Feuern mischen,
Würd' euch das Herz in frost'gen Schaudern zischen.

Ihr müsstet zittern, dächtet ihr im Düster
Des Vorstadtelends an der Schlösser Pracht,
An Baldachin und Purpurbett und Lüster,
An Wein und Sillery und Wonnenacht
Und tausendfach müsst' euch von allen Mauern
Vernichtung flammengrell entgegen schauern ...

Quelle: http://gedichte.xbib.de

Freitag, 6. November 2009

Die verlorene Welt

(Alfred Henschke) Klabund

Ich bin ohne Glück und unrasiert,
Meine Hosen drehn sich in Spiralen.
Meinen Hut hat mir ein Herr entführt,
Ohne ihn entsprechend zu bezahlen.

Meine Gummischuhe weilen wo?
Ebendort zweihundert Manuskripte,
Die der Straßenreiniger rauh und roh
In den Exkrementenkasten schippte.

Goldne Nadel, die den Schlips bestach!
O ihr braunpunktierten Oberhemden!
Eines zieht das zweite andre nach;
Meine Heimat wandelt unter Fremden.

Wäscherin stahl mir das letzte Glück.
Die Vermieterin möblierter Höhlen
Legt mir auf den Nachttisch Beil und Strick,
Um mir zart das Jenseits zu empfehlen.

Haß sprüht wie ein fahles Feuerwerk
Mir aus allen aufgerißnen Poren,
Und ich renne schreiend wie ein Zwerg
Nach der Riesenwelt, die ich verloren.


Quelle: http://gedichte.xbib.de

Donnerstag, 29. Oktober 2009

Du bist Terrorist !

...


klick
http://www.youtube.com/watch?v=SGD2q2vewzQ


Wirklich jetzt, kein Scheiß !!!

...

Samstag, 24. Oktober 2009

Krieg

Erich Kykal

Marschiert! Marschiert!
Zu edler Sache Streite
seid berufen!
So wählt denn eure Seite!
Wer zaudert, der verliert!

Und auf und nieder
wogt der Menschen Flut
und brandet an die
Klippen ihrer Wut
ein Meer der Glieder.

Und für und wider
treibt das Schlachtenglück
die blinden Seelen
in die Dunkelheit zurück
zum Klange ihrer Lieder.



Gedichtbände von Erich Kykal

" Sedimente "
" Meilensteine "
" Gehen lernen "
" Unwegsamen "

Bestellungen bitte unter : Gedichtekarussell@gmx.de

Freitag, 23. Oktober 2009

Kritik der Weltschöpfung

Maximilian Bern

Wenn ich der liebe Herrgott wär´,
dann würde ich mich schämen
und diese Welt verbessert neu
zu schaffen mich bequemen.

Denn wahrlich, recht mißlungen scheint
sie mir in manchen Teile,
was mich durchaus nicht wundernimmt,
denk´ich der großen Eile,

in der Gott dies, sein Erstlingswerk,
vollbracht in nur sechs Tagen,
anstatt mit seiner Schöpfung sich
noch manches Jahr zu plagen. -

Das Weiterschaffen ist wohl schwer!
Drum, wenn ich´s recht betrachte,
muss ich gesteh´n, dass einzelnes
Gott nicht so übel machte.

Zu früh nur fand er alles gut
mit selbstgefäll´ger Miene.
Nicht leugnen lässt sich sein Talent,
ihm fehlte bloß Routine.

http://gedichte.xbib.de

Donnerstag, 22. Oktober 2009

Bettlerliebe

Theodor Storm

O laß mich nur von ferne stehn
Und hangen stumm an deinem Blick;
Du bist so jung, du bist so schön,
Aus deinen Augen lacht das Glück.

Und ich so arm, so müde schon,
Ich habe nichts, was dich gewinnt.
O wär ich doch ein Königssohn
Und du ein arm verlornes Kind!

http://gedichte.xbib.de

Dienstag, 6. Oktober 2009

In der Gesellschaft

John Henry Mackay

Alle schweigen. Einer nur sprach fort.
Scharf und schneidend fiel sein klares Wort
In die Stille. Alle lauschten bang
Auf den seltenen, nie gehörten Klang.
Und er endete. Doch Alles schwieg
Tieferbittert.
Das war offener Krieg
Ihnen Allen! Keiner aber sprach.
Nichts die Stille ringsher unterbrach.
Jener aber ging mit leichtem Schritt,
Und er nahm den Hass von Allen mit.

Quelle: http://gedichte.xbib.de

Mittwoch, 23. September 2009

Auf allen Kanälen

Jim Pfeffer

Auf allen Kanälen.
Ich, nicht du !
Zappel nicht rum, wähle mich
Schwarz, Rot, Gelb, Grün, eine Farbe
das gleiche Programm,
stört doch nicht.

Ich, nicht du !
Finde alles gut
habe die Kraft.
Umweltfreundlich
mein Beruf; Gutmensch ³ !
In jeder
Alphareihe zu Haus,
adrett gekleidet
steif gebügelt, das
Gewissen rasiert.

Ich, nicht du !
Dein Geld, meine Bank !
Bin der Rettungsarzt,
das Gegengift
in jeder Krise.
Die Wunderspritze
zur rechten Zeit,
himmlischer Erlösung
auf Raten.

Auf allen Kanälen.
Ich, nicht du !
Schwarz, Rot, Gelb, Grün, eine Farbe
das gleiche Programm,
stört doch nicht.
Halte still, wähle !
Zahle und füttere mich noch viele Jahre.

Dienstag, 15. September 2009

Gerechtigkeit des Neides

Friedrich Logau

Keine Straff ist außgesetzet
Auff deß Neides Gifft;
Denn er ist zu aller Zeit
Selbsten voll Gerechtigkeit,
Daß er meistens trifft,
Und sich durch sich selbst verletzet.

Quelle: http://gedichte.xbib.de

Sozialkritische Gedichte

Lyrik Art, Jim Pfeffer

User Status

Du bist nicht angemeldet.

Mein

Impressum/Kontakt

Dichter/innen

Sozialkritische Gedichte

twoday.net

Aktuelle Beiträge

Großer Zorn
Joseph Victor von Scheffel Mein Zorn ist groß...
JimPfeffer - 21. Nov, 03:18
Du bist Terrorist !
... klick http://www.you tube.com/watch?v=SGD2q2vew zQ Wirklich...
JimPfeffer - 29. Okt, 20:31

Suche

 

Mein Lesestoff


Gedichtekarussell Nr.5
Licht und Schatten


Gedichtekarussell
Erwacht aus einem Traum


Angelika Scholz, Reiner Kranz
Deine Stimme hing in den Bäumen


Erich Kästner
Gedichte


Erich Fromm
Die Kunst des Liebens