Freitag, 6. November 2009

Die verlorene Welt

(Alfred Henschke) Klabund

Ich bin ohne Glück und unrasiert,
Meine Hosen drehn sich in Spiralen.
Meinen Hut hat mir ein Herr entführt,
Ohne ihn entsprechend zu bezahlen.

Meine Gummischuhe weilen wo?
Ebendort zweihundert Manuskripte,
Die der Straßenreiniger rauh und roh
In den Exkrementenkasten schippte.

Goldne Nadel, die den Schlips bestach!
O ihr braunpunktierten Oberhemden!
Eines zieht das zweite andre nach;
Meine Heimat wandelt unter Fremden.

Wäscherin stahl mir das letzte Glück.
Die Vermieterin möblierter Höhlen
Legt mir auf den Nachttisch Beil und Strick,
Um mir zart das Jenseits zu empfehlen.

Haß sprüht wie ein fahles Feuerwerk
Mir aus allen aufgerißnen Poren,
Und ich renne schreiend wie ein Zwerg
Nach der Riesenwelt, die ich verloren.


Quelle: http://gedichte.xbib.de

Donnerstag, 29. Oktober 2009

Du bist Terrorist !

...


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http://www.youtube.com/watch?v=SGD2q2vewzQ


Wirklich jetzt, kein Scheiß !!!

...

Samstag, 24. Oktober 2009

Krieg

Erich Kykal

Marschiert! Marschiert!
Zu edler Sache Streite
seid berufen!
So wählt denn eure Seite!
Wer zaudert, der verliert!

Und auf und nieder
wogt der Menschen Flut
und brandet an die
Klippen ihrer Wut
ein Meer der Glieder.

Und für und wider
treibt das Schlachtenglück
die blinden Seelen
in die Dunkelheit zurück
zum Klange ihrer Lieder.



Gedichtbände von Erich Kykal

" Sedimente "
" Meilensteine "
" Gehen lernen "
" Unwegsamen "

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Freitag, 23. Oktober 2009

Kritik der Weltschöpfung

Maximilian Bern

Wenn ich der liebe Herrgott wär´,
dann würde ich mich schämen
und diese Welt verbessert neu
zu schaffen mich bequemen.

Denn wahrlich, recht mißlungen scheint
sie mir in manchen Teile,
was mich durchaus nicht wundernimmt,
denk´ich der großen Eile,

in der Gott dies, sein Erstlingswerk,
vollbracht in nur sechs Tagen,
anstatt mit seiner Schöpfung sich
noch manches Jahr zu plagen. -

Das Weiterschaffen ist wohl schwer!
Drum, wenn ich´s recht betrachte,
muss ich gesteh´n, dass einzelnes
Gott nicht so übel machte.

Zu früh nur fand er alles gut
mit selbstgefäll´ger Miene.
Nicht leugnen lässt sich sein Talent,
ihm fehlte bloß Routine.

http://gedichte.xbib.de

Donnerstag, 22. Oktober 2009

Bettlerliebe

Theodor Storm

O laß mich nur von ferne stehn
Und hangen stumm an deinem Blick;
Du bist so jung, du bist so schön,
Aus deinen Augen lacht das Glück.

Und ich so arm, so müde schon,
Ich habe nichts, was dich gewinnt.
O wär ich doch ein Königssohn
Und du ein arm verlornes Kind!

http://gedichte.xbib.de

Dienstag, 6. Oktober 2009

In der Gesellschaft

John Henry Mackay

Alle schweigen. Einer nur sprach fort.
Scharf und schneidend fiel sein klares Wort
In die Stille. Alle lauschten bang
Auf den seltenen, nie gehörten Klang.
Und er endete. Doch Alles schwieg
Tieferbittert.
Das war offener Krieg
Ihnen Allen! Keiner aber sprach.
Nichts die Stille ringsher unterbrach.
Jener aber ging mit leichtem Schritt,
Und er nahm den Hass von Allen mit.

Quelle: http://gedichte.xbib.de

Mittwoch, 23. September 2009

Auf allen Kanälen

Jim Pfeffer

Auf allen Kanälen.
Ich, nicht du !
Zappel nicht rum, wähle mich
Schwarz, Rot, Gelb, Grün, eine Farbe
das gleiche Programm,
stört doch nicht.

Ich, nicht du !
Finde alles gut
habe die Kraft.
Umweltfreundlich
mein Beruf; Gutmensch ³ !
In jeder
Alphareihe zu Haus,
adrett gekleidet
steif gebügelt, das
Gewissen rasiert.

Ich, nicht du !
Dein Geld, meine Bank !
Bin der Rettungsarzt,
das Gegengift
in jeder Krise.
Die Wunderspritze
zur rechten Zeit,
himmlischer Erlösung
auf Raten.

Auf allen Kanälen.
Ich, nicht du !
Schwarz, Rot, Gelb, Grün, eine Farbe
das gleiche Programm,
stört doch nicht.
Halte still, wähle !
Zahle und füttere mich noch viele Jahre.

Dienstag, 15. September 2009

Gerechtigkeit des Neides

Friedrich Logau

Keine Straff ist außgesetzet
Auff deß Neides Gifft;
Denn er ist zu aller Zeit
Selbsten voll Gerechtigkeit,
Daß er meistens trifft,
Und sich durch sich selbst verletzet.

Quelle: http://gedichte.xbib.de

Donnerstag, 10. September 2009

Heuchler

Ludwig Thoma

Im Schweinekober der Zentrumspartei
Gibt es einen lieblichen Brei.
Das fährt mit hundert schmutzigen Rüsseln
In die mit Unrat gefüllten Schüsseln
Und wirft den Kot umher in den Gassen.
Man könnte die Säue gewähren lassen,
Erfüllten sie nicht die Welt mit Geschrei,
dass nur bei ihnen das Gute sei.
In Zentrumsblättern ist also zu lesen.
Der Luther sei geschlechtskrank gewesen.
Das schreibt so einer, der voriges Jahr
Vielleicht noch weilte im Seminar,
Und heute noch strebt mit vielen Beschwerden,
Hinter den Ohren trocken zu werden,
Der ist erfüllt vom heiligen Triebe
Der allerbarmenden Nächstenliebe.
Begießt die Toten im Grab mit Jauche
Nach altem römischem Pfaffenbrauche.
Und alle die Guten, Braven und Frommen
Heißen die Lüge von Herzen willkommen,
Sie zeigen sie ihren Kindern und Frauen,
Damit auch sie sich christlich erbauen,
Und scheuen sich nicht, sie einzuweihen
In schmutzige Zoten. Doch morgen schreien
Sie wieder mit aufgesperrtem Rachen,
Sie müssten die deutsche Moral bewachen.

Quelle: http://gedichte.xbib.de

Dienstag, 8. September 2009

Ich habe gehört

Jim Pfeffer

Ich habe gehört
sie schießen wieder,
töten für Deutschland !

Ich habe gehört
sie fallen wieder,
sterben für Deutschland !

Haben wir nicht schon als
Kinder gelernt,
mit denen keine Lieder
mehr zu singen.

Haben wir nicht schon als
Kinder gelernt,
dass wir
keinen Krieg gewinnen.

Sozialkritische Gedichte

Lyrik Art, Jim Pfeffer

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