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Sonntag, 7. Februar 2010

Vom Neid

Felix Dahn

Selbst nichts leisten können,
Ist nur ohnmächtig
Und eigengeschlechtig:
Aber es denen mißgönnen,
Die was können,
Das ist niederträchtig.


Quelle: http://gedichte.xbib.de

Dienstag, 2. Februar 2010

WER ERSCHOSS CARLO GIULIANI?

Volly Tanner

Die Schachspieler
Reichen sich gegenseitig
Ihre Drinks weiter
In abgeschiedenen Gehöften
Sie bewegen Landmassen
Bodenschätze
Fast, wie bei
Die Siedler von Catan
Dazwischen lachen die Sekretärinnen
Gluckernd und gut gelaunt
In schweineteure Roben gedrückt
Manchmal rauscht eine
Aufgedonnerte Verteidigungsministerin
(schwarz – klar doch
ist doch alles hier p.c.
und tiefgläubig –
sagt sie wenigstens)
Durch die Flure
Maschinengewehrknattern
Aus dem Plasmafernseher
Für die Kinder
Im Erdgeschoss

Ansonsten ist es beängstigend still
Wenn die alten Männer
Die Welt verspielen
Und sich gegenseitig belauern
Nie bedauern, immer hintergehen
Fast nie verstehen
Und auf ihren kleinen Spickzetteln
Notieren
Was die anderen verlieren

Auf der Piazza Alimonda
Draußen im wahren Leben
Hebt ein junger Mann
Einen Feuerlöscher
Gegen Insektenhorden
Mit Schilden
Und Gasmasken

Die Schachspieler
Sind gelangweilt
Nach so vielen Jahren

Jetzt haben sie ihre Flieger
Bestiegen, um auf
Irgendeiner Konferenz
An die menschliche Vernunft zu appellieren

Kameras schwenken wie wild gewordene
Hummeln in Gesichtshöhe
Sie weichen aus
Und greifen an

Auf der Piazza Alimonda
Wird geschossen
Ein Polizeiauto fährt einmal kurz
Vor und einmal
Kurz zurück
Es holpert
Und drückt sich ein
Ins Gedächtnis

Später wird ein Vater weinen
Und Rache schwören
Und andere werden Waffen kaufen
Und Rache schwören
Und wieder andere werden
Flugzeuge kaufen
Nachdem sie Rache
Geschworen haben

Und schon mal Ausschau halten
Nach einem schönen großen Haus
Indem sich vielleicht
Schachspieler zu einem Drink
Verabredet haben
Mit ihren Sekretärinnen
Und Frauen
Und Kindern

Meist treffen sie aber
daneben

„Mein Sohn ist ermordet worden und das war nicht eine Einzelperson, sondern der Staat. Aber wahrscheinlich werden die Ermittlungen zu dem Ergebnis kommen, dass Carlo Selbstmord verübt hat, während die Polizei gleichzeitig ein Tontaubenschießen auf dem Platz veranstaltete.“

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G8 Gipfel in Genua Juli 2001

http://de.wikipedia.org/wiki/Carlo_Giuliani

Dienstag, 26. Januar 2010

Christentum

Karl Kraus

Seelsorger nennen sich die Pfaffen,
denn sie preisen die Presse und segnen die Waffen.
Jubilate!
Und schon dies mag auf Erden zum Trost euch
gereichen:
Giftgase tragen das Kreuzeszeichen,
und Textinserate.

Quelle: http://gedichte.xbib.de

Unter den Masken

Hanns von Gumppenberg

Oh, wie sie mich irritierten!
Doch nun kenn′ ich ja das Spiel -
Unter lauter Wohlmaskierten
Ging ich simpel in Zivil:

Trug nicht bunte Faschingstrachten
So wie sie das ganze Jahr -
Und sie stutzten, und sie lachten,
Weil ich ohne Rückhalt war,

Ohne heimlichste Gedanken,
Ohne schlauen Hintergrund -
Hu, wie wirrte das die Kranken,
Daß ich blank war und gesund!

Und es wußten Herrn und Damen
Keine Rettung aus der Not:
Als, daß sie für Maske nahmen,
Was ich ihnen ehrlich bot.

Quelle: http://gedichte.xbib.de

Samstag, 23. Januar 2010

Weisheitsregel

Anton Alfred Noder

Für zwei Dinge hier auf Erden
Schwärmt der Weise kolossal,
Um vor Schmutz bewahrt zu werden:
Für Galoschen und Moral.

Ja, die Gummischuhe tragen
Einen sicher durch den Dreck,
Und in andern Lebenslagen
Dient Moral demselben Zweck.

Wo es reinlich und manierlich
Zugeht in dem Jammertal,
Läßt der Mensch zu Haus natürlich
Die Galoschen und Moral.

Wenn er dahingegen nieder
In den Pfuhl des Lasters tritt,
Nimmt er selbstverständlich wieder
Eines von den beiden mit.

Quelle: http://gedichte.xbib.de

Montag, 18. Januar 2010

Die Propheten

Herrmann von Lingg

Wo Geschicke niedertreten,
Gönnen Stimme dem Propheten
Strahlen ew'gen Gnadenborns
In den Pausen ihres Zorns.
In dem bangen Zwischenraume,
Zwischen Blitz und Donnerschlag,
Weckt die Schläfer aus dem Traume
Eine Stimme vor dem Tag.

Doch es dünkt verhaßt dem Volke,
Wenn zur schwarzen Wetterwolke,
Die ob seinem Haupte schweigt,
Warnend der Prophet ihm zeigt.
Wie es grollt und auf den Rücken
Sich die Hände binden läßt!
Wie es eilt sein Joch zu schmücken,
Wenn die Schande wird zum Fest!

Während der, der ihm gebietet,
Unten heimlich Ketten nietet,
Wirft's ihm, ein gefüger Knecht,
Gläubig hin sein letztes Recht;
Daß ins eig'ne Herz es ziele
Wird es nur zu bald gewöhnt,
Jauchzend zu dem Possenspiele
Das sein Heiligstes verhöhnt.

Erst, wenn's seinem letzten Streiter
Auf den Holzstoß warf die Scheiter,
Und ans Kreuz den Letzten schlug,
Der ihm noch das Banner trug,
Dann erst schafft sich sein Gewissen
Endlich Luft in blinder Wuth,
Und der Seher wird zerrissen,
Und erstickt das Wort in Blut.

Setzt euch zu den Aschenkrügen,
Wenn ihr wollt entfliehn den Lügen,
Zu den Weiden setzt euch hin,
Wenn ihr wollt der Schmach entfliehn.
Eh' die Schmiede mit den Ketten,
Eh' die Henker fertig sind,
Wird kein Warnruf euch erretten
Und die Blinden bleiben blind!

Quelle: http://gedichte.xbib.de

Mittwoch, 13. Januar 2010

Sozialkritische Möwe

Moewe-6

http://grossstadtschritte.twoday.net/

Montag, 11. Januar 2010

Zitat

Ret Marut

Ich sage Euch aber: Es leben Tote, die
lebendiger sind als Lebende; und es wohnen
Lebendige unter Euch, die schon seit ihrem
ersten Schultage tot sind, obgleich sie Euch
sagen: " Wir leben, denn wir haben die Macht ! "

b-traven-ret-marut


.

Sonntag, 10. Januar 2010

Berlin Impressionen 09.01.2010

Grossstadtschritte-004

Karl Marx Allee 14:05 Uhr

http://grossstadtschritte.twoday.net/

Donnerstag, 7. Januar 2010

Genfer Abrüstungsrede

Jura Soyfer, 1912-1939, Österreich

Messieurs! Die Welt hört ab Montag bereits
Außer dem faden Schlachtengetümmel
Lieblich aus der französischen Schweiz
Unserer Friedensglocken Gebimmel.

Verehrte Herren! im heißem Dank
Wird die Menschheit auf uns schauen:
Wir werden der Welt, die vom Rüsten so krank,
Endlich das richtige Pulver brauen!

Wir sitzen bei trautem Kanonengebrumm,
Und in den Lüften ( Sie werden´s kaum glauben )
Flattern Bombenflugzeuge herum
Und gurren wie richtige Friedenstauben!

Die Friedenspalmen schütteln sich leis ...
Prosit, meine Herren, Sie sollen leben!
( Der Toast gilt zwar nicht den Toten Schanghais,
Doch würde auch sie dieser Anblick erheben.)

Ein Halleluja dem Völkerbund!
Die Kommission wirkt energisch im Osten,
Sie macht bei Gefallnen den Leichenbefund
Und berechnet bei Bombardements die Kosten!

Schluß mit den langen Kriegen ab heut!
Ich höre die Englein Schalmein blasen ...
Bald ist der menschliche Fortschritt so weit,
Daß wir, meine Herren, mit Sicherheit
Die Menschheit in sechzig Minuten vergasen...


.

Montag, 4. Januar 2010

Berlin Impressionen 04. 01. 2010

Berlin-Impressionen-1
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Berlin-Impressionen-2
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Gedichtekarussell-an-der-Wand

http://grossstadtschritte.twoday.net/

Sonntag, 3. Januar 2010

Ein neuer Planet, Impression Nr.1 MilaHanska

MilaHanska-1

Kerzenwachs auf Keilrahmen 490x490

MilaHanska@web.de

Sozialkritische Gedichte

Lyrik Art, Jim Pfeffer

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Gedichtekarussell Nr.5
Licht und Schatten


Gedichtekarussell
Erwacht aus einem Traum


Volly Tanner
Bastardparadies



Angelika Scholz, Reiner Kranz
Deine Stimme hing in den Bäumen



Erich Kykal
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