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Sonntag, 22. März 2009

Ich bin ein Pilger...

Erich Mühsam

Ich bin ein Pilger, der sein Ziel nicht kennt;
der Feuer sieht und weiß nicht, wo es brennt;
vor dem die Welt in fremde Sonnen rennt.

Ich bin ein Träumer, den ein Lichtschein narrt;
der in dem Sonnenstrahl nach Golde scharrt;
der das Erwachen flieht, auf das er harrt.

Ich bin ein Stern, der seinen Gott erhellt;
der seinen Glanz in dunkle Seelen stellt;
der einst in fahle Ewigkeiten fällt.

Ich bin ein Wasser, das nie mündend fließt;
das tauentströmt in Wolken sich ergießt;
das küßt und fortschwemmt ­ weint und froh genießt.

Wo ist, der meines Wesens Namen nennt?
Der meine Welt von meiner Sehnsucht trennt?
Ich bin ein Pilger, der sein Ziel nicht kennt.


Quelle: http://gedichte.xbib.de

Pfaffen

Hoffmann von Fallersleben

Ihr seid nicht Christen, seid nur Pfaffen,
seid nicht des Heilands Ebenbild;
ihr führte nicht der Liebe Waffen
und traget nicht der Demut Schild.

Der Heiland hat der Welt den Frieden,
und nur der Sünde Krieg gebracht:
Ihr aber habt zum Krieg hienieden
die ganze Menschheit angefacht.

Ihr kreuzigt täglich noch den Heiland;
erschien' er , wie er einst erschien,
Ihr rieft wie die Juden weiland
und lauter nur: Ha, kreuzigt ihn !


Quelle: http://gedichte.xbib.de

Langweilig und schlecht

Hoffmann von Fallersleben, 1841
(Aus der Sammlung Unpolitische Lieder II)


Wie ist die Willkür und Gewalt
doch in der Welt gemein!
Die Welt ist schon so klug und alt
und muß doch dienstbar sein!
Wann bricht der Freiheit goldener Strahl
in unsere Nacht hinein?
Wann endet unser Joch einmal,
wann unsere Not und Pein?
O weh! O weh!
Wann unsere Not und Pein?

Geduld ist unsere Fröhlichkeit,
Gehorsam unser Glück,
und niemals kommt Zufriedenheit
in unsere Welt zurück.
Wohl anders wird es jeden Tag,
doch besser wird es nie.
Wer das ein Glück noch nenne mag,
ist dumm wie‘ s liebe Vieh,
o weh! O weh!
Ist dumm wie‘ s liebe Vieh.

Sozialkritische Gedichte

Lyrik Art, Jim Pfeffer

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