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Montag, 30. März 2009

Social-Lyrik

Ludwig Eichrodt

In dem schwülen Erdgeschosse,
Sitzt die kranke Nähterin,
Eine Arbeit auf dem Schooße
Für die kalte Herzogin.
Zwanzigmal ist schon der Faden
Ihr gerissen diese Stund’,
Den sie aus des Bourgeois’ Laden
Kaufte, abgespart dem Mund.

Ohne Nahrung vierzehn Tage,
Vierzehn Nächte saß sie da,
In verzweiflungsvoller Lage,
Ohne daß sie Jemand sah!
Ihre armen Siebensachen
Sind von Thränen schmutzignaß,
O, es ist dieß nicht zum Lachen,
O, es ist zum Weinen das!

Da erscheint mit rothem, feisten
Angesicht der Miethsherr wild:
Zahlung soll sie heut’ noch leisten,
Zahlen, dieses Engelsbild!?
Seht, wie sie mit dürren Händen
Klammert sich um seinen Bauch:
Lassen’s Sie’ s nur heut’ bewenden!
Doch sie tritt der schnöde Gauch.

Und an diesem rohen Tritte
Bricht der Wimmernden das Herz;
Menschlich war doch ihre Bitte,
O, Tyrann, kennst du den Schmerz?
Ohne Blumen, ohne Lieder
Wurde sie bei Nacht verscharrt,
Doch das Scheusal grinste bieder
In der Menschen Gegenwart.

Quelle: http://gedichte.xbib.de

Sozialkritische Gedichte

Lyrik Art, Jim Pfeffer

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