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Donnerstag, 28. Mai 2009

Erich Kurt Mühsam

Erich Kurt Mühsam (* 6. April 1878 in Berlin; † 10. Juli 1934 im KZ Oranienburg) war politischer Aktivist, Anarchist, Publizist und Schriftsteller. Nach einflussreicher politischer und publizistischer Tätigkeit wurde er von den Nationalsozialisten ermordet.
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Mühsam wurde in Berlin als Kind jüdischer Eltern geboren und wuchs in Lübeck auf. Er hatte zwei Schwestern und einen Bruder. Der Vater Siegfried Seligman Mühsam war Apotheker und von 1887 bis 1915 Abgeordneter der Lübecker Bürgerschaft. Er und seine Frau Rosalie schickten ihren Sohn Erich auf das humanistische Gymnasium Katharineum zu Lübeck. Dort ging er in denselben Jahrgang, wenn auch nicht derselben Klasse wie Gustav Radbruch - welcher ihn später als Reichstagsabgeordneter in der Festungshaft besuchte.[1] Am 11. Januar 1896 wurde Erich von dort wegen sozialdemokratischer Umtriebe relegiert [2]. Er hatte Berichte über schulinterne Vorgänge an die sozialdemokratische Zeitung Lübecker Volksbote weitergegeben. Sein Abitur machte er in Parchim (Mecklenburg) und absolvierte dann eine Apothekerlehre in Lübeck. 1901 zog Mühsam nach Berlin, wo er zunächst in seinem erlernten Beruf arbeitete.
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Mühsams schriftstellerische Neigung fiel bereits in seiner frühen Jugend auf, als er im Alter von elf Jahren begann, Tierfabeln zu verfassen. Dieses erste literarische Engagement verdichtete sich, als der 15-jährige Mühsam für die Auftritte der Clowns des örtlichen Zirkus erste satirische Beiträge beisteuerte.[2]
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1902 wurde er Redakteur bei der anarchistischen Zeitschrift Der arme Teufel, 1905 beim Weckruf; in diese Zeit hatte er Kontakt zum Friedrichshagener Dichterkreis. 1904 bis 1908 folgten „Wanderjahre“ mit Aufenthalten in Zürich, Ascona (Monte Verità), Norditalien, München, Wien, Paris zusammen mit seinem homosexuellen Freund Johannes Nohl. Auf dem Monte Verità befreundete er sich mit dem Siedler Karl Gräser, nach dessen Vorbild er eine „Sammlungsstätte“ solcher Menschen errichten wollte, „denen sich gegen Knechtschaft und Vergewaltigung in echtem Grimme der Mensch aufbäumte“. Eine entsprechende Gemeinschaft und Herberge für die von der Gesellschaft Geächteten – Landstreicher, Bettler, Huren und Verbrecher – versuchte er dann in der Großstadt München zu schaffen.
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Seit 1909 lebte er in München-Schwabing. Hier gründete er die dem Sozialistischen Bund angehörenden Gruppe Tat und Gruppe Anarchist zwecks Agitation des Subproletariats für den Anarchismus. 1910 wurde Mühsam verhaftet, wegen Geheimbündelei angeklagt und schließlich freigesprochen. Als Zentralfigur der Schwabinger Bohème war er befreundet mit Heinrich Mann, Frank Wedekind, Lion Feuchtwanger, Fanny zu Reventlow und vielen anderen. Seiner Gruppe „Tat“ schlossen sich auch der Schriftsteller Oskar Maria Graf und der Maler Georg Schrimpf an, die ihm nach Ascona zum Monte Verità folgten. Mühsam war Mitarbeiter des Münchner Kabaretts und verschiedener satirischer Zeitschriften wie des Simplicissimus und der Jugend. Von 1911 bis 1919 gab Erich Mühsam in München die Zeitschrift Kain – Zeitschrift für Menschlichkeit heraus, allerdings nicht während des Ersten Weltkrieges. Mühsam schrieb: „In dieser Stunde, wo es um das Schicksal aller geht, gibt es außerdem nichts Wesentliches und nichts, was eine Zeitschrift für Menschlichkeit angehen könnte“. In Kain veröffentlichte er im Januar 1912 den Artikel „Der Humbug der Wahlen“ (siehe Weblinks).

Mein Gefängnis
Erich Mühsam

Auf dem Meere tanzt die Welle
nach der Freiheit Windmusik.
Raum zum Tanz hat meine Zelle
siebzehn Meter im Kubik.

Aus den blauen Himmeln zittert
Sehnsucht, die die Herzen stillt.
Meine Luke ist vergittert
und ihr dickes Glas gerillt.

Liebe tupft mit bleichen leisen
Fingern an ein Bett ihr Mal.
Meine Pforte ist aus Eisen,
meine Pritsche hart und schmal.

Tausend Rätsel, tausend Fragen
machen manchen Menschen dumm.
Ich hab eine nur zu tragen:
Warum sitz ich hier? Warum?

Hinterm Auge wohnt die Träne,
und sie weint zu ihrer Zeit.
Eingesperrt sind meine Pläne
namens der Gerechtigkeit.

Wie ein Flaggstock sind Entwürfe,
den ein Wind vom Dache warf.
Denn man meint oft, daß man dürfe,
was man schließlich doch nicht darf.

Quelle: http://gedichte.xbib.de

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Lyrik Art, Jim Pfeffer

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