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Charles Baudelaire

Montag, 23. Februar 2009

Das Spiel

Charles Baudelaire

In schäbigen Sesseln frechgeschminkte Weiber,
In deren Blick ein süsslich Lächeln girrt,
Geziert bewegen sie die magren Leiber,
Juwel und Gold an ihren Ohren klirrt.

Am Spieltisch rings Gesichter fahl, verbissen.
Zahnlose Kiefer, leichenblass der Mund,
Zitternde Finger, hin und her gerissen,
Fiebrisch durchwühlend leerer Taschen Grund.

Am schmutzigen Plafond die bleichen Lichter
Erhellen nur mit einer trüben Glut
Die finstren Stirnen der berühmten Dichter,
Die hier vergeuden ihren Schweiss, ihr Blut.

Dies ist das schwarze Bild, das oft in Träumen
Vor meinem klaren Blick mich selbst enthüllt,
Ich seh' mich stumm und kalt in schmutzigen Räumen
Die Arme aufgestützt, von Neid erfüllt.

Voll Neid auf dieser Männer zähe Triebe,
Auf dieser Weiber finstre Lustigkeit,
Die schamlos hier verkaufen ihre Liebe
Und eines alten Ruhms Unsterblichkeit.

Wirr schreck' ich auf. – Wie könnt' ich sie beneiden,
Die 's in den Abgrund reisst mit blinder Wut,
Die lieber Qualen als den Tod erleiden
Und lieber als das Nichts der Hölle Glut.

Quelle: http://gedichte.xbib.de

Donnerstag, 13. November 2008

Abel und Kain

Charles Baudelaire

I

Stamm Abels, schlafe, iss und trinke;
Gott lächelt gnädig dir;

Stamm Kains, in Schmutz und Schlamm versinke,
Verende wie ein Tier.

Stamm Abels, deines Opfers Spende
Umkost die Engelein;

Stamm Kains, wann naht sich wohl das Ende,
Das Ende deiner Pein ?

Stamm Abels, üppig deine Weide,
Der Herde Schar gesund;

Stamm Kains, was heult dein Eingeweide
Vor Hunger wie ein Hund?

Stamm Abels, wärme Leib und Seele
Am heimischen Herd voll Ruh,

Stamm Kains, ein Schakal in der Höhle
Vor Kälte zittre du!

Stamm Abels, deine Zahl vermehre,
Dein Gold selbst hecke dir;

Stamm Kains, dem heissen Herzen wehre,
Und hüte deine Gier.

Stamm Abels, gras auf allen Wegen,
Den Raupen gleich an Zahl!

Stamm Kains, auf deinen wirren Wegen
Lieg' Kampf und Todesqual.

II

Stamm Abels, wenn du einst verendet,
Dein Aas die Sonne frisst!

Stamm Kains, du hast noch nicht vollendet,
Was deines Amtes ist;

Stamm Abels, deines Eisens Klinge
Dem Wurfspiess ward zum Spott!

Stamm Kains, zum Himmel auf dich schwinge,
Zur Erde schleudre Gott!

Quelle: http://gedichte.xbib.de

Sozialkritische Gedichte

Lyrik Art, Jim Pfeffer

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