Rainer Maria Rilke

Montag, 20. April 2009

Du gehst mit

Rainer Maria Rilke

Weißt du, ich will mich schleichen
leise aus lautem Kreis,
wenn ich erst die bleichen
Sterne über den Eichen
blühen weiß.

Wege will ich erkiesen,
die selten wer betritt
in blassen Abendwiesen -
und keinen Traum als diesen:
Du gehst mit.


Quelle: http://gedichte.xbib.de

Donnerstag, 6. November 2008

Die Städte aber wollen nur das Ihre

Rainer Maria Rilke

Die Städte aber wollen nur das Ihre
und reißen alles mit in ihren Lauf.
Wie hohles Holz zerbrechen sie die Tiere
und brauchen viele Völker brennend auf.

Und ihre Menschen dienen in Kulturen
und fallen tief aus Gleichgewicht und Maß,
und nennen Fortschritt ihre Schneckenspuren
und fahren rascher, wo sie langsam fuhren,
und fühlen sich und funkeln wie die Huren
und lärmen lauter mit Metall und Glas.

Es ist, als ob ein Trug sie täglich äffte,
sie können gar nicht mehr sie selber sein;
das Geld wächst an, hat alle ihre Kräfte
und ist wie Ostwind groß, und sie sind klein
und ausgeholt und warten, daß der Wein
und alles Gift der Tier- und Menschensäfte
sie reize zu vergänglichem Geschäfte.

Und deine Armen leiden unter diesen
und sind von allem, was sie schauen, schwer
und glühen frierend wie in Fieberkrisen
und gehn, aus jeder Wohnung ausgewiesen,
wie fremde Tote in der Nacht umher;
und sind beladen mit dem ganzen Schmutze,
und wie die Sonne Faulendes bespien, -
von jedem Zufall, von der Dirnen Putze,
von Wagen und Laternen angeschrien.

Und gibt es einen Mund zu ihrem Schutze,
so mach ihn mündig und bewege ihn.

Quelle: http://gedichte.xbib.de

Mittwoch, 17. September 2008

Menschen bei Nacht

Rainer Maria Rilke

Die Nächte sind nicht für die Menge gemacht.
Von deinem Nachbar trennt dich die Nacht,
und du sollst ihn nicht suchen trotzdem.
Und machst du nachts deine Stube licht,
um Menschen zu schauen ins Angesicht,
so musst du bedenken: wem.

Die Menschen sind furchtbar vom Licht entstellt,
das von ihren Gesichtern träuft,
und haben sie nachts sich zusammengesellt,
so schaust du eine wankende Welt
durcheinandergehäuft.
Auf ihren Stirnen hat gelber Schein
alle Gedanken verdrängt,
in ihren Blicken flackert der Wein,
an ihren Händen hängt
die schwere Gebärde, mit der sie sich
bei ihren Gesprächen verstehn;
und dabei sagen sie: Ich und Ich
und meinen: Irgendwen.


Quelle : http://www.geocities.com/Athens/6674/indexge.html

Montag, 25. August 2008

DIE MENSCHEN WOLLENS NICHT VERSTEHN!

Rainer Maria Rilke

ZWEI Herzen haben sich gefunden
- die Menschen wollens nicht verstehn -
und die sich innig treu verbunden,
sie sollen auseinander gehn!

Doch mächtig einen sie die Triebe,
man trennt sie, 's ist des Schicksals Lauf,
doch in den Herzen glüht die Liebe
in Sehnsucht um so mächtger auf.

>Er< ist so bleich - sie sehns mit Bangen -
und nicht zu ändern ist sein Sinn,
es schwanden doch von >ihren< Wangen
die Rosen auch schon längst dahin!

Und eines Morgens trug man beide
- die Menschen wollens nicht verstehn -
zur Ruhe nach dem Erdenleide -
dorthin, wo still die Kreuze stehn!

Dort ruhen selig sie im Frieden
des leeren Lebens matt und müd -
>geliebt, gehofft, getrennt, geschieden<
das ist das alte, alte Lied!

Sozialkritische Gedichte

Lyrik Art, Jim Pfeffer

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